Der Hintergrund
Was ist Sexueller Missbrauch oder sexuelle Gewalt?
Sexueller Missbrauch an Kindern meint alle sexuellen Handlungen an einem Kind unter 14 Jahren unabhängig davon ob Gewalt angewendet wurde oder nicht. Strafbar ist auch der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenenetwa einem Auszubildenden unter 16 Jahren oder einem Jugendlichen unter 18 Jahren, der zur Erziehung anvertraut ist. Weiterhin strafbar ist der sexuelle Missbrauch von Jugendlichen unter 16 Jahren, wenn dabei eine Zwangslage - der Täter oder die Täterin ist über 18 Jahre - oder die fehlende sexuelle Selbstbestimmung des Opfers ausgenutzt wird - wenn der Täter über 21 Jahre ist.
Täter nutzen in der Regel bestehende Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnisse aus. Sie gehen dabei planvoll, gut vorbereitet und bewusst vor. Sexuelle Gewalt fängt mit kleinen Grenzüberschreitungen an. Nach und nach werden die Kinder in ein Netz von Schuldgefühlen und Abhängigkeiten verstrickt.
Wo findet sexuelle Gewalt statt?
Sexuelle Übergriffe kann es überall geben: in der Familie und in der Jugendgruppe, in Begegnungsstätten, Sportvereinen, im Kindergarten oder in der Schule. Ein Fehler
wäre es aber, voller Misstrauen den Lebensraum des Kindes einengen. Besser ist Aufmerksamkeit, Nachfragen und Hinschauen, wenn man etwas Auffälliges beobachtet.
Wo passiert Sexueller Missbrauch?
Sexuelle Gewalt gibt es in jeder sozialen Schicht. Meist stammen die Täterinnen oder Täter aus dem sozialen Nahbereich der Familie und der Kinder und genießen daher bei Kindern
und Eltern einen Vertrauensvorschuss. Sie suchen gezielt die Nähe zu Kindern und versuchen, auf vielfältigen Wegen Abhängigkeiten zu schaffen.
Woran kann ich bei Kindern etwas merken?
Die meisten Kinder wagen es nicht, über den sexuellen Missbrauch zu reden. Sie teilen sich aber auf andere Weise mit, um die für sie unerträgliche Situation zu beenden. Manchmal
ändern sie ihr Verhalten ohne ersichtlichen Grund. Manche Kinder wirken verschlossen oder bedrückt, andere sind hochnervös oder unüblich aggressiv, wieder andere werden plötzlich
infantil oder schlafen schlecht. Manchmal versuchen sich betroffene Kinder auch vorsichtig an ein Gespräch heranzutasten und machen Andeutungen. Solche Äußerungen eines Kindes sollten ernst genommen werden. Den Kindern Nahestehende sollten Ihrem Gefühl vertrauen, wenn Sie den Eindruck haben, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. Hinhören ist dann wichtig.
Experten haben festgestellt, dass ein Kind im Schnitt bis zu sieben Anläufe macht, bis ein Erwachsener die Signale versteht.
Wie können wir Mädchen und Jungen schützen?
Mit Kindern darüber sprechen und sachlich aufklären ist wichtig. Auch, dass im Zusammenleben mit Mädchen und Jungen offen miteinander gesprochen wird. Die Kinder müssen Fragen stellen können und nicht abgewimmelt werden, auch Fragen zu Sexualität sollten erlaubt sein. Denn dann fühlen sich Kinder ernst genommen fühlen. Und selbstbewusste Kinder werden seltener Opfer. Jeder sollte Kinder stärken, den eigenen Gefühlen zu vertrauen und auch mal "Nein" sagen zu können.
Was sollten Sie im Verdachtsfall tun?
In einem konkreten Verdachtsfall raten Experten, ...
... dem Kind auf jeden Fall glauben
... erste Schritte einzuleiten, die das Kind schützen können
... Ruhe zu bewahren und nicht voreilig Anzeige zu erstatten
... fachlichen Rat einzuholen und persönliche Unterstützung in einer Beratungsstelle zu suchen
